AK DIPTERA

Unabhängige Interessengemeinschaft der Dipterologen Deutschlands

Ein historischer Rückblick auf den AK DIPTERA



Die folgende Darstellung basiert auf Samietz (1997) und Menzel (2003) und wurde von C. Kehlmaier (Dresden) fortgeschrieben (Editum: 08.02.2022).

Vorläufer des AK DIPTERA
Bereits in den 1970er Jahren wurde der Versuch unternommen, für dipterologisch Interessierte in der ehemaligen DDR eine gemeinsame Arbeitsplattform zu schaffen. Mit einer schriftlichen Einladung, die zunächst an 36 Dipteren-Spezialisten verschickt wurde, versuchte man „möglichst viele Entomologen, die in irgendeiner Form an dieser vernachlässigten, umfangreichen und wichtigen Insektenordnung arbeiten, zu einer Gemeinschaftsarbeit zusammenzuführen“ (Zoerner 1977). Daraufhin fand vom 21. bis 23. Mai 1976 in der Biologischen Station Guttau bei Bautzen (Oberlausitz) das „I. Dipteren-Symposium des Zentralen Fachausschusses Entomologie des Kulturbundes der DDR“ (nachstehend kurz „ZFA Entomologie“ genannt) statt. Aus dem Kreis von 24 Interessenten nahmen an dem Symposium letztlich 10 Dipterologen teil. Am 22. Mai gründeten die Anwesenden eine „Arbeitsgruppe Diptera“, mit dessen Leitung Hermann Zoerner (Dessau) beauftragt wurde. Manfred Jeremies und Hermann Zoerner organisierten vom 19. bis 21. Mai 1977 in Guttau eine zweite und vom 27. bis 28. Mai 1978 in Bad Bibra eine dritte Zusammenkunft, zu denen aus der Literatur keine näheren Angaben bekannt sind. Heinicke & Klausnitzer (1977) berichten lediglich, dass sich neben den früher gegründeten Arbeitskreisen „Microlepidoptera“, „Macrolepidoptera“ und „Aquatische Insektenordnungen“ eine vierte „Arbeitsgruppe Diptera“ im Kulturbund der DDR gebildet hat, die bis zum Jahresende 1977 zwei Symposien abhielt. Zu jener Zeit waren die ostdeutschen Entomologen in 3 Arbeitskreisen und einer Arbeitsgruppe organisiert. Vier weitere Arbeitsgruppen befanden sich gerade in Gründung. In anderen Publikationen wird die Dipterologen-Vereinigung als „Arbeitsgruppe Fauna der DDR – Diptera“ (ZFA Entomologie 1977) oder unter dem Namen „Arbeitskreis Diptera/Minen/Gallen“ (Ebert 1980) erwähnt. Bei den drei vorstehend genannten Treffen handelt es sich zweifellos um die ersten dipterologischen Zusammenkünfte. Sie besaßen wegen ihrer fachlichen Spezifik und der ähnlichen organisatorischen Ausgestaltung bereits deutliche Bezüge zu den Tagungen des heutigen Arbeitskreises. Schon zu jener Zeit waren die Symposien als Vortrags- und Diskussionsforum mit einem angegliederten Exkursionsteil konzipiert, auf dem der Erfahrungsaustausch zwischen den Dipterologen im Vordergrund stand. Zudem gab man sich ein eigenes Arbeitsprogramm, in dem die Dipterenfauna der DDR, die systematische Überarbeitung von Dipterenfamilien, das Gewinnen weiterer Mitstreiter und die Förderung des dipterologischen Nachwuchses fest verankert waren. In den darauffolgenden Jahren – von 1979 bis 1981 – haben keine weiteren Treffen stattgefunden.
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Einige Teilnehmer an der Exkursion im Leutratal während der 2. Tagung in Jena, 1985: A. Stark, F. W. Sander, R. Bellstedt, A. Scholz, R. Bährmann (von links nach rechts).
© J. Ziegler
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Teilnehmer an der Exkursion im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin während der 14. Tagung am Üdersee bei Eberswalde, 1997: A. C. Pont, M. von Tschirnhaus, D. Amelung (von links nach rechts).
© A. Stark

Gründung des AK DIPTERA

Als Gründungstermin für den bis heute fortbestehenden Arbeitskreis wird der 24. Oktober 1982 festgesetzt. Im Rahmen der 13. Zentralen Tagung des ZFA Entomologie, die vom 23. bis 24. Oktober in Leipzig durchgeführt wurde, kamen unter der Leitung von Dr. Rudolf Bährmann (Jena) zunächst 8 Teilnehmer zusammen. In Anlehnung an die vorangegangenen Symposien wurde zu jener Zeit der Begriff „Arbeitsgruppe Diptera“ etabliert. In den Jahren 1985 und 1990 kam es zu Namensänderungen, die sich auf veränderte Organisationsstrukturen in der übergeordneten Fachgesellschaft zurückführen lassen. So kann man in den veröffentlichten Jahresberichten zunächst die Bezeichnung „Arbeitsgruppe Dipterologie“ und später den Namen „Arbeitskreis (AK) Dipterologie“ finden. In diesem Zusammenhang muss auch darauf hingewiesen werden, dass es in einer Übergangsphase zur Vermischung oder Präokkupation von Arbeitsgruppenbezeichnungen kam. Das geschah zu einer Zeit, als unter dem Dach verschiedener Fachgesellschaften zwei dipterologische Treffen mit wechselseitiger Beteiligung abgehalten wurden. So kann man z. B. in den DGaaE-Nachrichten einen Tagungsbericht des ostdeutschen „Arbeitskreises Dipterologie“ unter dem Namen „Arbeitskreis Dipteren“ finden, der nicht – wie die Überschrift nahelegt – dem westdeutschen DGaaE-„Arbeitskreis Dipteren“ zuzurechnen ist [siehe Bährmann (1992)]. Seit dem Jahr 2000 wird die Interessengemeinschaft der Dipterologen Deutschlands als „Arbeitskreis Diptera“ (AK DIPTERA) bezeichnet.

Weiterentwicklung des AK DIPTERA
Zu einer Stabilisierung der Aktivitäten kam es unter Dr. Rudolf Bährmann (Friedrich-Schiller-Universität Jena), der die folgenden Zusammenkünfte – mit Ausnahme der tagungslosen Jahre 1983 und 1984 – über einen Zeitraum von 12 Jahren leitete. Von 1985 bis 1996 verdanken wir ihm die kontinuierliche Entwicklung des Arbeitskreises, die bis heute bewahrt wurde. In dieser Phase legte man stets Wert darauf, dass neben den wenigen hauptberuflich tätigen Dipterologen auch die vielen Freizeitforscher ein Diskussionsforum fanden. Organisatorisch war der Arbeitskreis zunächst dem Kulturbund der DDR und später der Entomofaunistischen Gesellschaft (EFG) zugeordnet. Auf das persönliche Engagement von Herrn Bährmann gehen auch so wichtige Initiativen zurück, wie die eigenverantwortliche Realisierung von Projekten zur Erfassung der einheimischen Dipterenfauna und zum Verbleib dipterologischer Sammlungen in Deutschland.
Von 1985 bis 1990 nahmen meist nur die in der ehemaligen DDR tätigen Spezialisten an den Veranstaltungen teil. Aufgrund der familiären Atmosphäre, der guten Organisation vor Ort und der vorteilhaften Kombination von Vortragstagung und Exkursion entwickelten sich die Treffen schnell zu einem jährlichen Höhepunkt, zu dem sich regelmäßig 11 bis 16 Dipterologen versammelten.
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Die Teilnehmer an der 4. Tagung in Magdeburg, 1987: J. Weipert, U. Kallweit, A. Stark, R. Samietz, R. Bellstedt, H. Wendt, J. Ziegler, F. Moritz, H. Pellmann; M. Koja Nahhal, A. Scholz (von links nach rechts).
© A. Stark

Mit der 8. Tagung, die 1991 in Halle (Saale) stattfand, stieg die Teilnehmerzahl sprunghaft auf 30 an, was nicht zuletzt ein organisatorisches Umdenken erforderte. Erstmals konnten in dem betreffenden Jahr auch ausländische Gäste und mehrere Dipterologen aus den alten Bundesländern begrüßt werden. Letztere waren teilweise im „Arbeitskreis Dipteren“ der Deutschen Gesellschaft für allgemeine und angewandte Entomologie (DGaaE) organisiert, der sich im März 1987 unter der Leitung von Dr. Klaus Hövemeyer (Göttingen) konstituierte und der seit 1989 eine eigene Tagung abhielt.
So fanden bis 1996 jährlich meist zwei dipterologische Arbeitstreffen statt. Im Zuge des politischen Umbruchs in der DDR und der Wiedervereinigung beider deutscher Staaten wurden diese langläufig als „Frühjahrstagung (Ost)“ und – obwohl zeitlich nicht immer ganz zutreffend – als „Herbsttagung (West)“ bezeichnet. Beide unterschieden sich zunächst durch unterschiedliche Vortragsprofile und – daraus resultierend – durch einen anderen Interessentenkreis. Die Themenpalette der „Frühjahrstagung“ war sehr breit gefächert und deckte vor allem die Forschungsbereiche Entomohistorie, Ökofaunistik, Verhaltensbiologie, funktionelle und vergleichende Morphologie sowie phylogenetische Systematik ab. Außerdem wurden regelmäßig neue Erkenntnisse vorgestellt, die zur Bereicherung des Methodenwissens (klassisches Sammeln, Präparieren und Konservieren von Dipteren) beitrugen. Die „Herbsttagung“ der DGaaE beschäftigte sich hingegen vorrangig mit ökologischen und entwicklungsbiologischen Fragestellungen bei terrestrischen Dipteren sowie mit Themen aus der angewandten Dipterologie. Im Gegensatz zu den Teilnehmerzahlen auf den EFG-Tagungen (Ost) (Diagramm 1) stagnierte die Zahl der teilnehmenden Dipterologen bei den DGaaE-Treffen (West) (Diagramm 2), so dass die Zusammenkünfte in der Folgezeit entweder abgesagt werden mussten (1993, 1997) oder erst gar nicht zustande kamen (1994). Weigert (1997) listet für Juni 1997 106 Dipterologen aus Deutschland auf.
Ein Wendepunkt in der weiteren Entwicklung beider Arbeitsgruppen stellt zweifellos die 16. Tagung des AK Dipterologie dar, die vom 11. bis 12. Juni 1999 in Lutzerath (Eifel) stattfand. Hier wurde von den Teilnehmern aus „Ost“ und „West“ die Frage diskutiert, ob der Arbeitskreis weiterhin nur einer Dachorganisation – entweder der Entomofaunistischen Gesellschaft (EFG) oder der Gesellschaft für allgemeine und angewandte Entomologie (DGaaE) – zuzugeordnen sei. In einer öffentlichen Abstimmung brachten die Teilnehmer einhellig ihre Auffassung zum Ausdruck, dass der Arbeitskreis seine Offenheit gegenüber jedem dipterologisch Interessierten beibehalten möchte, unabhängig davon, ob eine Mitgliedschaft in der EFG und/oder der DGaaE vorliegt oder nicht. Gleichzeitig sprach man sich dafür aus, künftig als unabhängige Interessengemeinschaft der Dipterologen Deutschlands zu wirken, die von beiden Fachgesellschaften getragen werden sollte. Diesem Beschluss schlossen sich im Juli 1999 die Vorstände der EFG und der DGaaE mit einer schriftlichen Erklärung an. Darin sagten beide Entomologenverbände dem Arbeitskreis ihre Unterstützung zu. Damit war die organisatorische Einheit der Dipterologen Ost- und Westdeutschlands vollzogen. Dieser neuen Qualität wurde im Folgejahr auch mit dem neuen Namen „Arbeitskreis Diptera“ (AK DIPTERA) Rechnung getragen.
Während der 13. Jahrestagung in Friedrichroda gab Prof. Dr. Rudolf Bährmann in Erwartung seiner Emeritierung die langjährige Leitung des Arbeitskreises ab, da die umfangreichen organisatorischen Aufgaben künftig als Privatperson schwer zu realisieren sind. Als Nachfolger wurde Rainer Samietz (Museum der Natur Gotha) gewählt. Er stand dem Arbeitskreis vom Juni 1996 bis zum Juni 2000 vor und übergab die Leitung des AK DIPTERA aus beruflichen Gründen an Dr. Frank Menzel (Senckenberg Deutsches Entomologisches Institut, Müncheberg), der während der folgenden 16 Jahre die Geschicke des AK DIPTERA erfolgreich leitete. Auf der 33. Jahrestagung in Kelbra-Sittendorf (2016) stellte er sich nicht mehr für das Amt zur Wahl, wodurch die Leitung an Dr. Christian Kehlmaier (Senckenberg Naturhistorische Sammlungen Dresden) übertragen wurde.
Unter dem Vorsitz von Frank Menzel wurde in den Jahren 2000/2001 die Öffentlichkeitswirksamkeit des Arbeitskreises weiter ausgebaut, so dass zur 18. Tagung des AK DIPTERA in Wernigerode erstmals mehr als 50 Dipterologinnen und Dipterologen teilnahmen. In den Folgejahren pendelte die Teilnehmerzahl zwischen 28 und 65 Personen (Durchschnitt 2001–2019: 45 Personen), wobei Jahr für Jahr auch alte und neue ausländische Kolleg*innen aus nah und fern begrüßt werden konnten.
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Teilnehmerzahlen der Tagungen des AK DIPTERA
© AK DIPTERA

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Die Teilnehmer an der Exkursion in das NSG "Peenewiesen" bei Gützkow 2003 (von links nach rechts): H. Wendt, A. Kaiser, J. Franzen, B. Franzen, K. Büxe (verdeckt), H. W. Hoffeins, C. Hoffeins, D. Wolff, H.-J. Jacobs, S. Lehmann, M. Elmer, G. Degen, A. C. Pont, M. Dempewolf, S. Nawai, K. Heller, M. Kotrba, T. Hörnschemeyer, S. Wedmann, J. E. Smith, J. Weipert, F. Menzel, U. Kallweit, J. Ziegler, R. Heiß, C. Kehlmaier, C. Lange.
© A. Stark

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Teilnehmer der 34. Tagung des AK DIPTERA in Sinntal 2017 (von rechts unten im Uhrzeigersinn nach rechts oben): Gabriele Lücke, Wolfgang Adaschkiewitz, Frank Menzel, Axel Ssymank, Paul Beuk, stehend: Klaus Standfuss, Hans Werner Hoffeins, Raphael Weiniger, Cornelius Kuhlisch, Anke Schäfer; sitzend: Adrian Pont, Jan Velterop, Michael von Tschirnhaus, Christel Hoffeins, Doris Seibt, Martha Velterop-Gerlagh, Christian Kehlmaier, Stephan von Woikowsky, Rainer Heiss, Andreas Stark, Katja Beinke, Hans Dienske, Andreas Grossmann, Gisela Merkel-Wallner, Björn Rulik, Natalja Yorgiyadi, João Manoel Fogaça, Kai Heller, André Reimann, Max Luca Maus, Sylvia Stark, Tom Robin Maus, Helge Heimburg, Christa Grasse, Ruud van der Weele, Joachim Ziegler, Viktor Baranov, Christiane Lange, Jürgen Kappert, Dirk Reum, Lisa Standfuss, Dieter Doczkal, Hans-Joachim Flügel.
© P. Beuk

In diese Periode fällt auch die Geburtsstunde einer eigenen Internetpräsenz „www.ak-diptera.de“, die von Frank Menzel (Eberswalde) und Jutta Franzen (Köln) ins Leben gerufen und über 2 Jahrzehnte gepflegt wurde. Eine überarbeitet Version der Seite ging im Februar 2022 online und wird seither durch Jens-Hermann Stuke (Leer) und Christian Kehlmaier (Dresden) betreut. Der Internetauftritt des AK DIPTERA dient seit März 2001 den Dipterologen Deutschlands als elektronisches Informations- und Kommunikationsforum und soll den Arbeitskreis über die Landesgrenzen hinaus bekanntmachen.
Anhand der gestiegenen Tagungsteilnahmen und der stark frequentierten Internetseite wird deutlich, dass sich der Arbeitskreis einer wachsenden Nachfrage erfreut. Vor allem wegen des zunehmenden öffentlichen Interesses an der Tätigkeit des AK DIPTERA ergaben sich immer höhere Anforderungen an die Leitung des Arbeitskreises. Um die Leitungsaufgaben auf mehrere Schultern zu verteilen und die Verwaltungsarbeit zu reformieren, wurden auf der 19. Tagung in München und Garmisch-Partenkirchen (2002) mehrere Beschlüsse zur Struktur und Wahl der Leitung gefasst. Im Ergebnis einer Meinungsumfrage wird der AK DIPTERA seither von 2 Personen – einer/m Leiter/in und einer/m Stellvertreter/in – geführt. Außerdem legten die Anwesenden fest, dass die Leitungswahlen alle 4 Jahre durch Direktwahl auf den Jahrestagungen stattfinden. Eine Ausnahme bildete die, durch die Corona-Pandemie beeinträchtigte Amtszeit 2016–2020. Durch den Ausfall der Jahrestagung 2020 wurde es notwendig, die Amtszeit einmalig auf 5 Jahre zu verlängern. Da auch die Tagung 2021 abgesagt werden musste, wurde die Leitungswahl im selben Jahr als digitale Abstimmung per Email durchgeführt.

Die bisherigen Leiter des Arbeitskreises Diptera.
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Prof Dr. Rudolf Bährmann, Leiter 1982-1996
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Rainer Samietz, Leiter 1996-2000
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Dr. Frank Menzel, Leiter 2000-2016, stellvertretender Leiter 2016-2021
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Dr. Marion Kotrba, stellvertretende Leiterin 2002-2012
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Dr. Doreen Werner, stellvertretende Leiterin 2012-2016
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Dr. Christian Kehlmaier, Leiter seit 2016
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Dr. Jens-Hermann Stuke, stellvertretender Leiter seit 2021